ausgelesen: September 2016

Um wenigstens den Anschein von Aktivität auf diesem Blog zu erwecken, werde ich versuchen, meine monatliche Leseausbeute in einem handlichen Beitrag zusammenzufassen. Mit ein bisschen Schweinehund treten und Gassi führen halte ich das vielleicht sogar durch. Wünscht mir Glück.

Ach ja, die Übersetzung der Sternchenwerferei muss da irgendwo rechts in der Sidebar stecken ➽

  1. Robert Sheckley | Can You Feel Anything When I Do This? (1971)
    Eine der vielen Kurzgeschichtensammlungen des Meisters der SciFi mit spitzer Feder, wie (fast) immer ein Hochgenuss und alle zu werfenden Sterne wert, die man in Griffweite findet.
  2. Ben Schott | Schottenfreude: German Words for the Human Condition (2013)
    Eine tiefe Verbeugung vor der deutschen Sprache und ihrer Eignung als verbale Legoschatztruhe, mit deren Bausteinen man wirklich für alles und jedes eine passende Bezeichnung zusammenbasteln kann. Leider ergeben viele Wortschöpfungen Schotts keinen nachvollziehbaren Sinn, manche existieren bereits und bedeuten etwas z.T. vollkommen anderes als das, was der Autor ihnen zugedacht hat. Ein nettes Büchlein zum Durchblättern und Schmunzeln, dafür immer noch:
    ★★★☆☆
  3. Adam Millard | Larry (2014)
    Was machen eigentlich Serienkiller, wenn sie sich rechtzeitig zur Ruhe setzen und unbeschadet in’s Rentenalter kommen? Ganz einfach: irgendwann wird das Leben im Ruhestand doch zu langweilig, Axt, Metzgerschürze und Maske liebevoll entstaubt, und wieder zum Halali auf kreischende Teenies im einsamen Feriencamp im Wald geblasen. Was sich dann auch recht flott und witzig liest, auch wenn besonders die Dialoge etwas zu oft an ihrer arg gewollten Lässigkeit scheitern. Macht aber trotzdem Spaß, drum auch hier:
    ★★★☆☆
  4. Matthew Vaughn | The ADHD Vampire (2015)
    Das Bizarro-Genre ist mir in den letzten paar Jahren sehr ans Herz gewachsen, ich entdecke dort immer wieder Autoren, die mit ihrer sehr eigenen, speziellen Handschrift echte Perlen anbieten, die deutlich mehr können als nur abgedreht und „anders“ zu sein. Und dann gibt es die Autoren, die außer einer ekelzentrierten Fantasie nicht viel am Start haben, nicht einmal einen Schreibstil, der über Schüleraufsatzniveau hinauskommt. Was die Goodreads-User daran so toll finden, entzieht sich komplett meinem Verständnis, ich kann meine Lesezeit besser verbringen.
    Setzen, ★☆☆☆☆
  5. Pat Murphy | The City, Not Long After (1989)
    Eine geradezu poetische Endzeitvision, die überwiegend in San Francisco nach der großen, weltweiten Seuche spielt. In dieser Stadt haben sich die Künstler, Tagträumer und Visionäre einen Ort erschaffen, der ein recht friedliches, unabhängiges Leben ermöglicht. Was natürlich nicht von Dauer sein darf, gibt es im Umland doch immer noch genug Betonköpfe alter Schule, die lieber brennen sehen, was sich ihren Vorstellungen widersetzt, als einfach weiter zu ziehen. Die Endzeithippies wissen sich allerdings auf ihre Art zu wehren, und die entspricht nicht dem, was die Invasoren erwarten. Ich dagegen freue mich über eine Apocalypse, die sich nicht in endlosen Beschreibungen der Seuche ergeht, sondern das Augenmerk voll und ganz auf das Danach richtet. Stellenweise märchenhaft, durchaus plüschig, und sehr sympathisch. Und die bessere Katniss heißt Jax. Ha! :)
    ★★★★☆
  6. Stephen Laws | Spectre (1987)
    Ich mag die Geschichten dieses vollkommen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Autors, für mich ist er einer der Geheimtips des typischen 80s-Horrors, der meist frei vom heute üblichen Romanzendreck seine fiesen Ideen (abseits von ausgelutschten Vampiren und Zombies) ins schwarze Ziel getragen hat. Aber ausgerechnet diese Story um die bösartigen Geister der Vergangenheit ist mir zu sehr klischeebehaftetes Zehn kleine Negerlein, dazu viel zu vorhersehbar. Die wunderbar creepy Atmosphäre und der effektive Einsatz erprobter Stilelemente des Genres hat es dann trotzdem unterhaltsam sein lassen. Ein bisschen wie die alten Hammer-Filme, die ja auch Spaß machen, ohne groß Anspruch zu haben ;)
    ★★★☆☆

Haltet den Dieb!

Ich könnte kotzen. Knochen sogar.

Da hüppel ich heute Morgen an meinen Krücken beim Umsteigen im U-Bahnhof hungrig an den Brötchenstand, jongliere mit Gehhilfen und Geldbeutel und stopfe den Kindle eReader mangels einer dritten Hand in den Rucksack, und in den zwei Sekunden Ablenkung (und Vorfreude auf das leckere Frühstück in der braunen Papiertüte) beim Bezahlen bekommt mein geliebtes Elektrobuch erst eine kalte Hand (vermute ich mal) und dann verdammt schnelle Beine.

blow-him-up
Was ich diesem diebischen Arschloch an das selbige wünsche, lasse ich lieber unerwähnt. Dem netten Beamten im Polizeirevier habe ich meine erschreckend detaillierten Phantasien auch lieber erspart und stattdessen hart daran gearbeitet, nicht bei jeder Erwähnung der entwendeten Miniaturbibliothek in unangebrachte Heiterkeit auszubrechen. Aus dem eReader wurde trotz meiner möglichst unauffällig eingestreuten Hinweise auf die korrekte Aussprache nämlich konsequent ein Raider, und mein nächstes, noch viel tolleres Elektrobuch wird dann aus naheliegenden Gründen wohl Twix heißen. Um es mit Angie zu sagen: alternativlos.

Was ich nun, nach vielen Stunden und halbwegs wieder abgeregt feststellen muß: der Verlust des Technikspielzeugs ist nicht einmal das, was so richtig schmerzt. Die Beule im Stolz pocht viel fieser, der Frust, so einfach übertölpelt werden zu können, ohne wenigstens den Versuch unternommen zu haben, dem Halunken die Krücken zwischen die Beine zu werfen. Realität ist halt doch was anderes als Theorie… :/

[Die Montagsfrage KW43] Erinnerst du dich noch an dein erstes E-Book?

Mein erster eReader und die Anmeldung bei Goodreads gingen im April 2012 Hand in Hand, und die dortige Timeline sagt mir, dass mein Kindle Touch mit „Parade’s End“ von Ford Madox Ford eingeweiht wurde. Könnte hinkommen, ich hatte mir das Teil ja vor allem mit Blick auf komfortableres Lesen englischsprachiger Lektüre gegönnt. Mit diesem großartigen Brocken konnten Akku und mitgelieferte Wörterbücher dann auch gleich zu meiner vollsten Zufriedenheit zeigen, dass sie halten, was die Werbung verspricht.

Ford Madox Ford | Parade's End
Katzen und Literatur gehören so untrennbar zusammen wie Bratwurst und Bier.

Inzwischen bin ich beim beleuchteten Kindle Paperwhite angekommen (den ich am liebsten heiraten würde) und nehme „klassische“ Bücher nur noch zur Hand, wenn es entweder gar kein eBook oder ein solches nur zum unverschämten Apothekenpreis gibt. Oder ich aus Sammlergründen un-be-dingt etwas zum Anhimmeln, Anfassen und Liebhaben fürs Regal besitzen muß. Viel Papier kommt da nicht mehr zusammen pro Quartal.

[die Montagsfrage @ Paperthin]

James Craig | Buckingham Palace Blues (2012)

When Inspector John Carlyle discovers a disorientated girl in a park near Buckingham Palace, he takes it upon himself to find out who she is and where she’s from. His hunt for the identity of this lost girl takes him from Ukrainian gangsters in North London to the lower reaches of the British aristocracy. Soon, the inspector is on the trail of a child-trafficking ring that stretches from Kiev to London, and back to the palace itself…

Fast die volle Punktzahl für einen Cop, der weder Alk- noch andere Drogenprobleme hat, kein Kindheitstrauma aufarbeiten muß, eine ganz normale Ehe führt statt alles flachzulegen, was sich Journalistin/Kollegin/whateverin nennt und auch ansonsten keine Leichen im Psychokeller hat, dafür aber seinen Job mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit angeht. Und das ist knackig geschrieben, hält die Spannung durchgehend auf hohem Level und läßt mich bereits nach den anderen Stories mit Inspector Carlyle schielen. Ist ja selten genug, solche glaubwürdigen Normalos in aktuellen Krimis überhaupt noch zu finden!


  • Autor: James Craig
  • Titel: Buckingham Palace Blues
  • Sprache: Englisch
  • Seiten: ca. 305
  • Jahr: 2012
  • Genre: Krimi / Thriller
  • eBook: für Kindle
  • ASIN: B0070TRD4A

James Herbert | Lair (1979)

herbert-lair

The mutant white rat had grown and mated, creating offspring in its own image. They dominated the others, the dark-furred ones, who foraged for food and brought it back to the lair. Now the dark rats were restless, and the white slug-like thing that ruled them remembered the taste of human flesh…

Weiter geht’s mit James Herberts Lieblingstierchen, den mutierten Killerratten, diesmal im Epping Forest, malerisch vor den Toren Londons gelegen und sowas von ideal für blutdürstige Nager, die sich hier vor ihren zweibeinigen Erzfeinden verstecken und auf einen günstigen Moment für ihre Retourkutsche warten. Leider warten die locker bis zur Hälfte des Buches, und bis dahin zieht sich die Story wie ein oller Kaugummi mit Verwaltungshickhack, einer arg plötzlichen Romanze und angesichts der erst wenige Jahre zurückliegenden Vorgeschichte unfassbarer Stur- und Blödheit sämtlicher Entscheidungsträger. Tourismus über alles!

Weißer Hai, ick hör dir trapsen. Gnarf.

Hat man sich da durchgekaut, nimmt die Chose in der zweiten Hälfte doch noch gut Fahrt auf und belohnt den Leser mit abgebissenen Körperteilen, Panik im Gehölz und generell recht ordentlicher Action. Trotzdem für meinen Geschmack der Tiefpunkt der Trilogie, kann ruhig ignoriert werden, ohne was zu verpassen.


  • Autor: James Herbert
  • Titel: Lair
  • Sprache: Englisch
  • Seiten: ca. 292
  • Jahr: 1979
  • Genre: Horror
  • eBook: für Kindle
  • ASIN: B0050B1D4G