Wenn man sich einen Troll im Blog eingefangen hat…

Ein schönes Beispiel ist mir beim Aufräumen im WP-Admin über den Weg gelaufen. Ich habe jahrelang akribisch ein Archiv der Webaktivitäten der Nine Inch Nails namens nin.com Blog & Media Archive gepflegt, um die Inhalte der notorisch gern und oft im Datennirvana entfleuchenden Bandpage für die Nachwelt zu erhalten. Irgendwann ist der Blog zwar in ein sanftes Koma entglitten, weil mir Zeit und Lust zur Jagd auf jeden NIN-Schnipsel abhanden gekommen waren, aber auch jetzt noch wird er seiner Archivfunktion gerecht und wird immer wieder mal in Netzartikeln verlinkt.

Um 2007/2008 herum waren die Kommentarbereiche extrem aktiv. Besonders nordamerikanische Besucher verwechselten des öfteren den Blog mit der nächsten Speaker’s Corner nebst Einforderung von Free Speech und Zensurgeschrei, was auch immer wieder Schwielen an meinem Hirn und Löschfinger verursacht hatte, und in diese Zeit fällt auch der Besuch eines besonders hartnäckigen Trolls. Einer Trollette? Trollitesse? Egal. Eine Dumpfbacke mit Internetzugang halt. Und diese Dumpfbacke hat zu meinem endlosen Vergnügen nicht bemerkt, dass ihre illusionsgetränkten Tiraden gegen Trent Reznor, NIN-Fans und den kleinen grünen Arkelanfall zum größten Teil gar nicht für die Allgemeinheit zu lesen waren, sondern nur für sie, mich und den mit allerlei Stichworten gefütterten WordPressfilter. Direkte Antworten kamen von mir eher selten, dafür umso mehr Lästereien mit anderen Stammkommentatoren über die Trollposts, die der Filter nicht geschluckt hatte. Ein bisschen Spaß muss sein :)

Nachfolgend habe ich vor dem endgültigen Löschen eine kleine Auswahl der abgesonderten Freundlichkeiten zusammengestellt. Strictly for shits and giggles. Damit der geneigte Leser sich besser in die Gedankenwelt des Trollmädchens einfühlen kann, habe ich das ganze mit einem passenden Font in Bildform gegossen. Und damit der Scheiß nicht in Suchmaschinen im Wortlaut auftaucht.

Meine blöden Kommentare konnte ich leider nicht unterdrücken…


 

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Ein erster Versuch, durch Einflechten kafkaesker Bezüge (Ein Insekt! Wie clever!) und Benutzung komplizierter Worte eine gewisse Intellektualität zur Schau zu stellen.
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Wie zu erwarten steht dem Troll ob seiner starken mentalen Erregung nur ein stark eingeschränktes Vokabular zum Ausdruck seiner innersten Gefühle zur Verfügung.
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Freud’sche Ansätze in der Argumentation lassen durchaus tief blicken…
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Kommen wir nun also zum Kern des Problems…
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Bonuspunkte für die, wenn auch ungelenke, Bestrebung, den Dialog in der Muttersprache des uneinsichtigen Admins zu suchen.
Die Wahnvorstellungen nehmen nun konkretere Formen an. Eine medizinische Intervention scheint dringend angeraten, wird aber mangels Einsicht kaum angenommen werden.
Es wäre unverantwortlich, auf solche der momentanen Verwirrung der Antragstellerin geschuldeten Avancen in jedweder Form einzugehen.
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Eine interessante Wendung in der Argumentation, die nun gleichermaßen Bezüge zu darstellender Kunst und Religion vermengt. Sind es unterbewußte Schuldgefühle, die sich hier Bahn brechen? Gar Minderwertigkeitskomplexe aufgrund mangelnder kreativer Fähigkeiten? Man weiß es nicht.
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Ein letztes verzweifeltes Aufbäumen des Trolls in Form der Darstellung unzureichend ausgelebter sexueller Fantasien beschließt diese Fallstudie. Möge sie den nächsten Beate Uhse-Shop gefunden haben. Oder Tumblr. Aber das steckte damals ja in den Kinderschuhen und war noch rein und unschuldig…
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9 thoughts on “Wenn man sich einen Troll im Blog eingefangen hat…

  1. Ah vielen Dank für das Ausgraben solche Perlen :D Der NIN Blog, ja das waren noch Zeiten. Jetzt kriege ich schon Stresspickel, wenn ich höre dass TR mal wieder einen Soundtrack versaubeutelt.

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  2. Uff … Troll sein ist schon ein armseliges Hobby. Und was für Zeit und Anstrengungen da scheinbar einige reinstecken. Die Trolle mit denen ich bisher zutun hatte, waren nicht so hartnäckig und nicht ganz so unsachlich und beleidigend. Bloß gut … ein Blog, eine Webseite, da investiert man Zeit rein. Finde es einfach nur mies, wenn dann irgendwer daherkommt, sich in der Anonymität des www versteckt und schlechte Laune verbreiten muss. Coolness hat mir da anfangs leider noch gefehlt, um das besser zu verarbeiten. :-/

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    1. Nun, mein alleroberstes Gebot im Umgang mit solchen Dumpfbacken war von Anfang an: ein Troll kann mich nicht beleidigen, weil dumme Menschen mich generell nicht beleidigen können. Das prallt ab wie an Supermans Heldenbrust und trägt maximal an langweiligen Schlechtwettertagen zu meiner Unterhaltung bei.

      Btw eine Haltung, die ich vor Jahrzehnten bei meiner Handwerker(innen)ausbildung zur Perfektion und sehr viel später im WWW wieder zur Anwendung gebracht habe. Da sehe ich meine “Laufbahn” als Netzoma (naja, fast) definitiv mit einem Vorteil behaftet.

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