Der letzte Kampf (FR, 1983)

Originaltitel: Le Dernier Combat
Regie: Luc Besson

OMG! Das Internet vergisst wirklich nichts, zu meinem Entzücken auch nicht meine Jean Reno-Fansite, die ich um die Jahrtausendwende (kann ich dieses schöne Wort endlich mal anbringen) herum mit viel Herzblut und Aufwand betrieben habe. Es sind zwar nur noch Fragmente erhalten, aber für einen gepflegten Netznostalgieflash reichen die allemal aus. Ein paar Portionen Senf zu Jeans Filmografie rette ich in diesen Blog, auch als kleine Gedankenstütze für mich, wo ich hier eigentlich schreibtechnisch (wieder) hin will…

le dernier combat posterDie Welt, irgendwann nach dem finalen Weltkrieg. Es gibt nur wenige Überlebende, und die zeichnen sich nicht unbedingt durch ein vorbildliches Sozialverhalten aus, sprich: Das Recht des Stärkeren ist das einzige Recht, das Gültigkeit hat, im Rudel wie für Einzelne. Aus nicht näher genannten Gründen hat dieser klägliche Rest der Menschheit neben der Zivilisation auch die Sprache verloren, was den Eindruck verstärkt, es hier mit modernen Höhlenmenschen zu tun zu haben.

Eine solche Gruppe hat sich unter der Führung eines ominösen Anzugträgers (Fritz Wepper!) auf einem Autofriedhof in der Wüste eingerichtet und verbringt die Tage hauptsächlich mit sinnloser Schufterei für den Boss. Ein namenloser Mann (Pierre Jolivet) hat von diesem traurigen Dasein die Schnauze gestrichen voll und flieht mit seinem heimlich zusammengebastelten Motorsegler in die nächste Stadt – oder was davon übrig blieb. Dort läuft ihm prompt ein durchgeknallter Psychopath (Jean Reno) über den Weg, der von Konkurrenz im Revier überhaupt nichts hält und sofort versucht, das Problem zu beseitigen. Nur die Flucht in die Kanalisation rettet den Mann vor seinem Verfolger, und der Ausstieg aus dieser Unterwelt beschert ihm eine weitere Überraschung: Er ist in einem ehemaligen Krankenhaus gelandet, in dem ein alter Mann (Jean Bouise) sich mit Hingabe der Malerei an den Wänden der Flure widmet. Ausser der Kunst muss er in diesem zur Festung umgebauten Gebäude ganz offensichtlich noch etwas viel kostbareres hüten, da der brutale Einzelgänger nichts unversucht lässt, um ebenfalls hinein zu gelangen. Die beiden Verteidiger sind allerdings mit allen Wassern gewaschen und nehmen den Kampf auf.

„Ein exzentrischer Mad Max auf französisch“ war mein erster Gedanke zu diesem Film von Luc Besson, und vollkommen daneben liege ich damit eigentlich nicht. Beides sind die Spielfilmdebüts der Regisseure, wurden mit lächerlichen Budgets und höchstem Enthusiasmus der Macher verwirklicht und handeln von einer Welt nach dem letzten, grossen Krieg. „Der letzte Kampf“ zäumt den Gaul allerdings vollkommen anders auf als sein australischer Vorgänger. Wo’s bei „Mad Max“ alle naselang kracht und rumpelt, setzt dieser Film auf eher leise Töne und schrägen Humor.

le dernier combat fritz wepper
Heute holt Harry keinen Wagen mehr.

Gedreht wurde in kontrastreichem schwarz-weiss, Dialoge gibt es nicht. Die Story wird nur über Bilder, Gesten und Geräusche erzählt und fordert vom Zuschauer wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit, um nicht den Faden zu verlieren, da es keine erklärenden Zwischentexte (wie im klassischen Stummfilm) oder ähnliches gibt. Der Einsatz lohnt sich allerdings. Luc Besson hatte für sein Debut nicht nur eine gute Idee im Gepäck, sondern auch Schauspieler, die mit der Herausvorderung eines „sprachlosen“ Films bestens fertig wurden. Pierre Jolivet als Mann auf der Suche nach einem lebenswerten Ort im Chaos erobert in kürzester Zeit die Sympathien, während Jean Reno als verrohter Brutalo das Kunststück schafft, trotz aller Abneigung gegen seinen Charakter die Lacher auf seiner Seite zu haben. Die Szenen, in denen seine (vergeblichen) Versuche in’s Krankenhaus einzudringen gezeigt werden, erinnern mich immer wieder heftigst an eine Realversion von „Tom & Jerry“… Jean Buise als der Doktor ist herrlich spinnert (wie in eigentlich allen Besson-Filmen, in denen er mitspielt), und Fritz Wepper zeigt uns, dass er nicht nur Derricks Laufbursche ist.

le dernier combat nachbarn
Und willst du hier mein Nachbar sein, dann schlag ich dir den Schädel ein…

Die Action kommt hier übrigens nicht zu kurz, aber sie ist nicht, wie in diesem Genre üblich, das übermäßig bestimmende Element des Films, sondern wird wohldosiert eingesetzt und passt sich nahtlos in die Story und das Konzept ein. Die erste Begegnung zwischen dem Mann und dem Killer z.B. ist ein ziemlich heftiger Kampf, der gerade durch das ungewohnte Fehlen des üblichen Gebrülls seine Wirkung entfaltet. Beim nächsten Actionfilm im Fernsehen einfach mal den Ton bei einer Schlägerei abdrehen, dann wird ganz schnell klar, wie schwierig das eigentlich ist…

Unterm Strich kann ich diesen Film allen empfehlen, die eine Ader für kleine, schräge Endzeit-Movies wie z.B. „Quiet Earth“ oder „Maleville“ haben. Aber auch wer mit dem Thema generell nichts am Hut hat, sollte vielleicht einen Blick riskieren (Reno-/Besson-Fans sowieso), da wartet eine echte Perle auf ihre Entdeckung.

Advertisements

4 thoughts on “Der letzte Kampf (FR, 1983)

    1. Die Betonung liegt auf „hatte“ ;) Um 2002 rum hab ich sie aufgegeben, zu wenig neue gute Filme mit Jean und der rasante Aufstieg des Abmahnunwesens hatten mir gründlich die Lust darauf vermiest. Ich fisch jetzt nur ein paar Artefakte aus den Trümmern!

      Gefällt mir

    1. Großer, wenn auch weitverbreiteter Irrtum, vor allem mit einer .de-Domain, die den entsprechenden Abmahnhirschen dank fehlender Anonymisierungsmöglichkeit auf Knopfdruck Name und Adresse des „Übeltäters“ preisgibt. Das Risiko wegen meiner kostenlosen Werbetätigkeit (was ist ein Fanblog sonst) war mir der Rege Austausch mit anderen Gleichgesinnten dann doch nicht wert.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s